reflections

nature decides

 

Die wale lockten uns. Obgleich die jahreszeit die falsche war, in dieser phase wanderten die wale nicht die küste entlang, war es weder ungewöhnlich noch -wahrscheinlich, dass nicht doch ein paar dieser kolosse die tiefen vor san blas kreuzten. Auf den fischer, der uns hin und wieder am marktplatz in einen kleinen schatz verwickelt hatte und mit beeindruckendem englisch unsere spanischen versuche beschämte, fiel unsere wahl. Er wollte nichts versprechen und tat es auch nicht, aber er hielt unsere hoffnungen hoch. Zuhause noch hatte ich mich mit besten technischen utensilien ausgestattet – in den kleinanzeigen münchen lies sich alles finden, was ich zu brauchen glaubte und so bestiegen wir des fischers kahn mit einem erstklassigen feldstecher und einer hochseeangel, die eindruck machte, aber darüber hinaus keine funktion erfüllen sollte. Statt nach gewaltigen schwanzflossen ausschau zu halten, hieß uns der fischer, aufmerksam zu lauschen. Auf dem stillen ozean konnte man, wenn der motor ruhte, tatsächlich wenig außer dem wind vernehmen und was man vom wale zuerst hören könne, wäre das wasser, das er aus dem atemloch presste. Doch vergeblich lauschten wir. Vorüber kommende fischersleute weckten hoffnung, sie hatten wale getroffen. In der nacht zuvor. Wir aber schaukelten ohne eines riesen angesichtig zu werden. Rauschten weiter durch einen schwarm thunfische, wurden von einem fliegenden fisch übersegelt und plötzlich vonfünf, sechs delphinen besucht und schossen dann mit ihnen eine zeitlang um die wette durch unwirklich blaue wellen. Kein wale. Keine enttäuschung.

29.7.11 12:28, kommentieren

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tage wie diese

San blas in mexico. Genau. Es gilt zwar als touristisch betrieben, aber das kann nach unseren maßstäben nicht gelten. Auf dem zocalo war auch zur abendzeit kaum ein touri zu entdecken und wir waren nach zwei tagen so bekannt wie uninteressant geworden, dass sich die einheimischen whale-watching-anbieter nur noch dann mit uns unterhielten, wenn sie sich mit uns unterhalten wollten. In unserer posada war der einzige gast außer uns und den hunderten von ameisen, die uns oder genau genommen unsere zu boden fallenden krümel zur abendbrotzeit in langen reihen besuchten, ein grauer kater, der am ersten abend eine riesige wunde am hinterkopf tapfer präsentierte und den wir über die tage, die wir in san blas verdösten, mit huhn und fisch einigermassen wieder aufpäppelten. Huhn. Tacos, tappas, enchiladas, tortilla, quesadilla – das waren für mich die nationalgerichte mexicos. Bis ich dort weilte. Schnell hatte uns die mexicanische version des gegrillten federviehs erobert. Natürlich aßen wir uns auch durch die restliche küche, aber so auf die schnelle und wenn man es sich ehrlich eingestand, kam man an diesem flachgeklopften knusprigen gebrät nicht vorbei. Mit ein stapel kleiner maistortillas und einem scharfen gesauce in einer tüte verschnürt, auf den gepäckträger unserer in der salzigen meeresluft schon vor jahren dem rost hoffnunglos erlegenen drahtesel geklemmt, radelten wir zum menschenleeren strand und ließen den lieben Gott einen guten Mann sein. Wenn die Kauarbeit verrichtet war, gehört es zum guten Ton untereinander zum Händewaschen bis zum Hals ins Meer zu waten und dann betrachtete man den Tag unauffällig, aber interessiert beim Vergehen.

1 Kommentar 27.7.11 12:22, kommentieren

allürenlos

 

7.325 schritte. Von meiner tür bis ich sand untern den füßen spüre. Es liegt in meiner macht, dich glauben zu lassen, ob es der sand eines spielplatzes ist, der sand einer logierhalle auf einem reiterhof oder der sand, den die wellen des pazifiks immer neu am strand auslegen. Weil ich in dir auch ein wenig mich sehe und mir die letzte variante am weitaus besten gefällt, sind es 7.302 schritte von meiner haustür bis zum pazifikstrand. Unglaublich schöne vorstellung, oder? Ja, stimmt. Ich habe ein paar schritte abgezogen. als ich sie zählte, bin ich ganz diszipliniert in steter schrittlänge aufs meer zu gelaufen. Für gewöhnlich aber sind die letzten meter eher übersprungen, denn gelaufen, denn in dem moment, da ich das meer, dessen atem ich schon im haus riechen kann, sehe, übernimmt mein körper die führung und laufen gehört dann eben nicht zum repertoire. Es ist so unbeschreiblich schön hier, weil das meer in all seiner herrlichkeit nicht den status zu haben scheint wie bei uns. Wunderbare ostsee, traumhafte strände, zu mancher jahreszeit idylle – aber oft, nein immer fast ein superstar, der menschenmassen anlockt, zelebriert wird, mit allem trara, fan-utensilien werden vor dem starnd veräußert, ein perfekter serviceapparat hält die tournee betriebsam und routiniert am laufen. Die see ist der star und ihre anhängerschaft kommt in millionenstarker schar, ißt und lacht, fotographiert und tanzt, zeltet und uriniert und alles, alles dreht sich um sie.

Hier aber gibt es über 12.000 Kilometer Strand, mehr als 8.000 davon am pazifik und in san blas ist das meer kein star. Nur da.

26.7.11 10:33, kommentieren



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